Berichte

Jahresbericht des Präsidenten der 35. GV vom 16. Mai 2017

Sehr geehrte anwesende Genossenschafterinnen und Genossenschafter,

Sehr geehrte Gäste,

Einmal mehr darf ich Sie zu einer Generalversammlung begrüssen. Es handelt sich bereits um die 35-ste, die unsere Genossenschaft durchführt. Die AGW realisiert, modernisiert, verwaltet und wartet ein leistungsfähiges Glasfaser-Kabelnetz, also eine ungemein wichtige Infrastruktur in der Gemeinde. Mit Ihrem Erscheinen bezeugen Sie, dass Ihnen diese Infrastruktur am Herzen liegt und vor allem, dass auch Sie daran interessiert sind, dass im Dorf nicht schleichend eine Monopolsituation entsteht und Sie am Schluss die Kommunikations- und Multimediadienste TV, Internet und Telefonie nur noch von einem Anbieter beziehen können.

Ein Abwärtstrend ist leider vorhanden. Die Anzahl an Genossenschafter betrug zum Jahresbeginn 1601, was einer Abnahme von 76 Kunden gleichkommt. In den letzten fünf Jahren haben wir 10% Genossenschafter verloren. Das ist noch nicht dramatisch, aber es ist klar, dass wir diesen Trend stoppen möchten.

Wir im Vorstand glauben und arbeiten daran, dass wir unser Netz zum Wohle der Gemeindebewohner möglichst unabhängig weiter gestalten und ausbauen können. Mit diesem Bericht möchte ich Ihnen anhand einiger Beispiele zeigen, was wir zu diesem Zweck im letzten Geschäftsjahr geleistet haben.

Gebaut haben wir letztes Jahr u.a. in Gundetswil, wo an der Rickenbacherstrasse ein neues Areal entsteht, das wir kabeltechnisch erschlossen haben. Bei der Überbauung Wiesenthal haben wir auch noch die zuletzt gebauten Wohnungen an unser Netz angeschlossen. Für dieses Jahr erhoffen wir uns, die Anschlussverträge für die Überbauungen an der Stationsstrasse und im Areal Grosswiesen in Gundetswil zu erhalten. Unser Ziel ist es weiterhin, alle Liegenschaften in der Gemeinde an unserem Netz zu haben.

Unsere Anstrengungen im Bereich Imageverbesserung und Vermarktung unserer hervorragenden Leistungen haben wir mit gleicher Kraft wie 2015 fortgesetzt. Wie an der letztjährigen GV angekündigt, haben wir uns mit dem Namenswechsel der Genossenschaft befasst. Der neue Namen und das neue Logo, das Sie anlässlich dieser GV das erste Mal offiziell sehen, haben ab sofort Gültigkeit. Der Prozess, einen neuen Namen zu finden, war nicht leicht. Ein erster Versuch scheiterte, weil eine grössere Firma den von uns vorgeschlagenen Namen juristisch angefochten hat. Verschiedene weitere Vorschläge mussten wir ablehnen, weil diese zu wenig Bezug zu unserem Dorf und zu unserem Wirken hatten oder zu künstlich klangen. Die Vorteile des neuen Namens sind, dass wir uns alle weiterhin „agw“ nennen dürfen, dass der unterdessen verstaubte Begriff „Antennengenossenschaft“ entfällt und dass unser Ziel, unsere Gemeinde digital zu vernetzen, klar zum Ausdruck gebracht wird. Das Design des neuen Logos symbolisiert zudem, dass auch eine Genossenschaft professionell, schwungvoll und dynamisch arbeiten kann.

Die Verhandlungen mit UPC, mit denen wir gerne einen neuen, partnerschaftlichen Vertrag eingehen möchten, sind noch im Gang. UPC anerkennt, dass wir ein gutes Netz haben und wir anerkennen, dass UPC gute Produkte über unser Netz anbietet. Nachdem die grossen Kabelnetzbetreiber unter der Führung von UPC den grossen Coup, nämlich die Ersteigerung der Übertragungsrechte für die Eishockeyspiele, gelandet haben und den neuen Sender „mysports“ lancieren, erhöht sich natürlich die Attraktivität unseres Netzes. Unter diesen Prämissen verhandeln wir nun um einen neuen Vertrag, der uns gegenüber der heutigen Situation mehr Einnahmen sichern soll. Die zusätzlichen Einnahmen sollen uns helfen, die Ertragsausfälle zu kompensieren, die uns entstehen, weil weiterhin Genossenschafter kündigen und zum Mitbewerber wechseln.

Im Vorstand haben wir uns letztes Jahr weiterhin mit dem Projekt FTTH, also der Erschliessung von Liegenschaften mit einem direkten Glasfaseranschluss, weiter auseinandergesetzt. FTTH wird ja, wie sicher viele von Ihnen wissen, in der Stadt Winterthur aufgrund eines politischen Entscheides umgesetzt. Ein Winterthurer Stadtbewohner kann einen von rund 15 Signalanbietern auswählen und bei diesem Media-Produkte – z.B. Internet mit 1 Megabit/Sekunde symmetrisches Up- und Download – abonnieren, die er dann über die Glasfaserleitung geliefert bekommt.

Wir im Vorstand haben in den letzten Monaten ein Projekt ausgearbeitet, mit dem Ziel, unser Netz an dasjenige der Stadt Winterthur anzuschliessen. Stadtwerk Winterthur ist gerne dazu bereit und hilft uns grosszügig. Wir haben zudem mit unserem Gemeinderat gesprochen. Dieser kann uns im Dorfzentrum einen Raum zur Verfügung stellen, worin wir die zentrale Infrastruktur eines FTTH Netzes einbauen können. Somit sind wir gerüstet, um mit dem Bau der Grundvoraussetzungen für ein dorfeigenes FTTH-Netz zu starten. Es fehlen eigentlich nur noch die Verträge mit den Interessenten. Diese müssen gewillt sein, die Anschlusskosten für die Verlegung der Glasfaser vom nächstliegenden Anschlusspunkt bis in seine Liegenschaft selber zu tragen. Dieses Prinzip, nämlich dass der Kabelanschluss an die Liegenschaft zulasten des Genossenschafters geht, hat die AGW schon immer in den letzten 35 Jahren praktiziert. Das soll auch für FTTH gelten. Ein flächendeckendes FTTH-Netz, das für die Bewohner kostenlos ist, können wir uns nicht leisten.

Ich selber bin fest davon überzeugt, dass die Erschliessung der Liegenschaften mit Glasfaserkabel in absehbarer Zukunft das Standardmodell sein wird. Für Wiesendangen stellt sich nur die Frage, wer dieses realisieren wird. Unser Mitbewerber hat sich vorerst nicht dafür entschlossen und belässt den Hausanschluss auf Basis des Kupferkabels. Dass FTTH in den nächsten Jahren mit Steuergeldern flächendeckend gebaut wird, halte ich für unwahrscheinlich. Die Mehrheit der Gemeindebewohner ist wohl nicht bereit für eine solche Investition in Millionenhöhe. Das Modell FTTH im genossenschaftlichen Sinne zu bauen und einen Teil der Investitionskosten auch auf die Interessenten zu übertragen, das Netz also auf Anfrage und Bedarf hin – auf Englisch nennt man das „on demand“ – zu realisieren, scheint für mich der bestmögliche Weg zu sein. So wird niemand benachteiligt.

Wie Sie sehen können, arbeitet und kämpft der Vorstand dafür, die bestmögliche und fairste Infrastruktur zu schaffen, die von unseren Gemeindebewohnern zum Bezug von hochwertigen Mediandiensten genutzt werden kann. Die Arbeit ist zeitaufwändig und anspruchsvoll, insbesondere weil wir diese ja als Nebentätigkeit zum eigentlichen Beruf leisten.

Ich möchte an dieser Stelle meinen Vorstandkollegen ein grosses Dankeschön aussprechen dafür, dass sie mir stets mit Rat und Tat engagiert zur Seite stehen. Dasselbe gilt auch für Bruno Schläpfer, der an den meisten Vorstandssitzungen teilnimmt und uns mit seinem exzellenten Fachwissen unterstützt.

Unseren Revisoren, die auch dieses Jahr die Rechnung sowohl kritisch als auch konstruktiv geprüft haben, den Gemeindebehörden wegen ihres Goodwills, der Stadtwerk Winterthur wegen der guten Kooperation und selbstverständlich auch unseren wichtigen Partnern Schläpfer Radio und Television und UPC gebührt ebenfalls mein grosser Dank.

Unter diesen Voraussetzungen macht es Spass, diese Arbeit zu leisten, auch wenn die Wettbewerbsbedingungen sich in den letzten Jahren massiv verschärft haben. Wie Sie sehen können, nehmen wir diese Herausforderung sportlich an und freuen uns, damit einen positiven Beitrag für unsere Gemeinde leisten zu dürfen.

Ich danke Ihnen nochmals herzlich für Ihr Erscheinen und für Ihre Aufmerksamkeit. Hiermit schliesse ich meinen Jahresbericht. Für allfällige Fragen stehe ich Ihnen jetzt, nach der GV oder zu jedem anderen Zeitpunkt gerne zur Verfügung.

Oskar Persano

Präsident Antennengenossenschaft Wiesendangen

 

AGW Jahresrechnung 2016 GV